Eindringliche Worte aus dem Jahr 1938
Nora Hespers ist die Enkelin von Theo Hespers (1903-1943), der ein christlich-politischer Widerstandskämpfer war. Er musste schon 1933 in die Niederlande fliehen. Aus Roermond versuchte er weiter gegen die Nationalsozialisten zu arbeiten. Ab 1937 gab er mit anderen die Zeitschrift "Kameradschaft" heraus. Aus der Ausgabe dieser Zeitschrift von November 1938 las Nora Hespers vor. Detailliert und kenntnisreich wurde dort mit Hilfe eines Augenzeugenberichtes die Ausschreitungen und Gräueltaten beschrieben, die in ganz Deutschland in der Nacht vom 9. auf den 10. November geschahen. Der Autor (wie er hieß, ist nicht bekannt) urteilte, dass dies kein Pogrom im engeren Sinne gewesen sein, kein von der Bevölkerung ausgehender Angriff, sondern ein vom Staat verordnetes und organisiertes Verbrechen und dies nicht nur an einem Ort, sondern flächendeckend und in nahezu identischer Vorgehensweise in ganz Deutschland. Die eindringlichen Worte aus dem Jahr 1938 und die Schilderungen der brutalen Abläufe gingen den rd. 220 Menschen unter die Haut. Mucksmäuschenstill folgten sie der Verlesung des Artikels. Er widerlegte eindrucksvoll das im Nachkriegsdeutschland gepflegte Narrativ, dass man das alles doch nicht gewusst habe. Die Herausgabe der Zeitschrift war für Hespers höchst gefährlich, da sie schon 1938 im ganzen Deutschen Reich verboten war. Nach dem Anriff auf die Niederlande musste Hespers erneut untertauchen. Doch 1942 wurde er verhaftet und nach Deutschlang gebracht, wo er ein Jahr in verschiedenen Gefängnisse inhaftiert war. Am 9. September 1943 wurde er in Plötzensee durch Erhängen ermordet.
Nora Hespers mahnte die Anwesenden zu Mut und Zusammenstehen für die Demokratie, das Gedenken an die Verbrechen der Nationalsozialisten alleine reiche nicht aus. Mit dem Lied "Shalom Chaverim" - Friede sei mit euch - und der Ermunterung zum Mitsingen ließ Dr. Herbert Holtemeyer mit seinem Saxophon die Gedenkstunde ausklingen.
Nora Hespers Buch "Mein Opa, sein Widerstand gegen die Nazis und ich" ist im Suhrkamp-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich. ISBN 978-3-518-47163-0
Mehr zu Nora Hespers unter www.norahespers.de
Über die Ereignisse von November 1938 spricht sie in ihrem Podcast
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