Auf der Suche nach dem himmlischen Jerusalem
Der Streit um den richtigen Glauben - das war das eigentliche Thema des Vortrags von Dr. Marcus Optendrenk, der das Publikum mitnahm an den Niederrhein des 16. und 17. Jahrhunderts. Er erinnerte an die Glaubenskriege direkt nach der Reformation, die zunächst mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 endeten, aber nicht für lange. Schon wenige Jahre später fielen die portestantischen Niederlanden vom katholischen Spanien ab, es kam zu den Hugenottenkriegen in Frankreich und im 17. Jahrhundert dann zum 30-jährigen Krieg, in dem weite Teile Deutschlands und Europa verwüstet wurden. Und der Niederrhein war oft genug mittendrin im verheerenden Geschehen. Hier wuchs der Junge Gerhard Vynhoven (1596-1674) in Neersen auf, er studierte und wurde Priester in seiner Heimat, nahm aber auch als Hofkaplan und Feldprediger an den Kriegen des kaiserlichen General Jan van Werth teil. Nach dem Westfälischen Frieden setzte Vynhoven das Projekt um, dass ihn seit seiner Palästina-Reise (1623-1628) beschäftigte. Er errichtete in der Eicker Heide bei Neersen ein Kapelle, die die historischen Stätten in Jerusalem nachbilden sollte. Er wollte seinen Mitmenschen durch diese Visualisierung das Heilige Land begreifbar machen, sie sollten erleben können, was er erlebt hatte, sollten ein Abbild des himmlischen Jerusalem vor Augen haben. Er wollte zeigen, dass Kriege, Streit und Not nicht das letzte Wort haben und ihnen Hoffnung geben auf Frieden auf Erden. Eine Hoffnung, die auch in unserer Zeit gut tut.
Ein aktueller Vortrag, auch wenn er vom 17. Jahrhundert sprach. Die vielen Besucherinnen und Besucher dankten dem Referenten mit langem Applaus. Die Vorsitzende Dr. Ina Germes-Dohmen dankte Dr. Optendrenk herzlich und bemerkte augenzwinkernd, dass es wohl das erste Mal in der langen Geschichte des KGMV gewesen sei, dass ein amtierender Minister bei uns referiere.